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ANTIBIOSE
video | 10:10 min. | 4K | 2-channel | stereo | eng.OV, eng.SUB | 2023
text (de)
Der Vogel besetzt den Ast,
die Mistel besetzt den Stamm,
der Mensch besitzt das Land.
Zwei Entitäten erheben sich aus dem urbanen Grau, begleitet von arythmischen artifiziellen Vogelklängen, tragen zwei Vogelhäuser in einem performativen Stadtrundgang ins Grün.
Das Vogelhaus wird zum Hauptmotiv;
Durch das Territorium des Menschen müssen andere Lebensarten zwangsläufig remigrieren oder sich dem grauen Lebensraum anpassen. Während Tauben als Pest in den Innenstädten gelten und entsprechende Abwehrmechanismen wie Birdspikes installiert werden, so möchten wir dennoch nicht auf Ihresgleichen verzichten. Wir sehnen uns nach dem Vogelgesang im Sommer, hängen uns Vogelfutter an den Balkon um unseren kollektiven Voyeurismus zu befriedigen. Das Vogelhaus ersetzt das fragile Konstrukt des Vogelnests, soll vor der Umwelt, Jagdfeinden und Parasiten schützen. Zugleich verfällt der Vogel den Beeren der Mistel, einem pflanzlichen Baumparasiten, und trägt wiederum durch seinen Konsum zur Verbreitung des Schädlings bei.
Die Antibiose beschreibt das parasitäre Verhalten einer Lebensform, die sich am Wirt nährt und bereichert, das den Wirt schadet und bis zu seinem Tod führen kann.
Wir leben in einem aufeinander getakteten Getriebe der Natur. Tiere und Pflanzen leben in verschiedenen Ökosystemen mit- sowie auch füreinander. Bestimmte Arten bedingen einander, dass diese Systeme bestehen bleiben, doch man sollte sie nicht als statische, unveränderbare Konstrukte verstehen. Kommt es zu Veränderungen in der Umwelt, sei es durch die Verdrängung oder das Aussterben einer Gattung, durch fremde Lebensformen, die sich in weitere Bereiche ausbreiten oder durch größere (menschengemachte) Umweltveränderungen, verschiebt sich das Gefüge.
Jede Spezies verhandelt jedoch Territorium und Lebensraum anders. Der Mensch lebt in seinen eigenen (Infra-)Strukturen, verdrängt direkt oder indirekt Arten, die nicht mehr ins Bild passen, aus seinen Grenzen. Parks dienen als Rückzugsorte in die Natur, vergleichen sich jedoch eher mit kuratierten, präzise selektierten Museen der Öffentlichkeit. Mit den wachsenden Infrastrukturen benötigen wir zunehmend mehr Ressourcen. Die unkontrollierte „wilde“ Natur ist nicht mehr gebraucht und steht der effizienzorientierten Industrie im Weg. Biodiversitäten gehen durch uns verloren, das Zeitalter des Anthropozäns wurde angeläutet.
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