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BELUGA
video | 4:58 min. | 4K | stereo | color | eng.OV, eng.SUB | 2024
text (de)
In der Idylle eines Waldes beginnt die Erde zu beben. Eine unbekannte Entität hält die Ereignisse dieses Events logbuchmäßig fest. Es bildeten sich Risse im Erdboden. Unwissend, was dieses Phänomen zu bedeuten hat, beginnen sie zu graben. In den Tiefen der Erde stoßen sie auf eine merkwürdige, artifizielle Kammer. In der Kammer türmen riesige Berge merkwürdig zerschmolzenen Gesteins. Sie stießen auf eine der letzten Hinterlassenschaften des Menschen: Ein atomares Endlager.
Das Zentrum dieses Waldes bildet das Beluga-Dreieck, eine Wiese zwischen dem aktuell bestehenden atomaren Zwischenlager Gorleben, einem Salzstock und einem Aktionsboot von Greenpeace, welches in Folge der Anti-Atomkraftbewegung der 70er Jahre dort abgestellt wurde. Die Landschaft dieses Dreiecks wurde durch etliche Demonstrationen stark geprägt; Teile des Waldes wurden abgerodet, Bulldozer pflügten die Erde um, Monolithen aus Beton wurden als Barrikaden errichtet. Heutzutage ist davon kaum noch was zu spüren, der Wald wuchs zu und kehrte in seine ursprüngliche Idylle zurück. Gelegentlich hört man das Schiff, die Beluga, im Wind wie ein Wal aufquietschen, gegenüber dazu hört man von der Opposition die Sirenen des Zwischenlagers. Die großen Auseinandersetzungen mögen zwar zur Ruhe gekommen sein, doch diese Geräusche hallen als Echo weiterhin für die Zukunft nach.
Mit dem Beginn der industriellen Atomkraft wurden die zuständigen Behörden unmittelbar mit dem Umgang des daraus resultierenden und weiterhin radioaktiven Atommülls konfrontiert. Da eine zielführende Aufarbeitung des Materials bislang noch in den Sternen steht, besteht der allgemeine Lösungsansatz in unterirdischen Endlagern. Doch damit solche versiegelten Kammern von zukünftigen Zivilisationen in vielen Jahrhunderten nicht vor Ende der Halbwertzeit aufgebrochen werden, entwickelte man verschiedene theoretische Strategien der Atomsemiotik. Da aktuell genutzte Symbolik in wenigen Jahrhunderten schon wieder obsolet sein könnten, würde eine reine Beschilderung kaum genügen. Die entwickelten Konzepte zur Warnung des tödlichen Strahlenunheils reichten von gigantischen, artifizell geschaffenenen Landschaften, über die Genveränderung von Katzen, die im Falle eines atomaren Strahlenaustritts anfangen im Dunklen zu leuchten, bishin zur Gründung eines Kults, der Mythen über die verbotenen Regionen schüren soll.
