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from soil we come to soil we go

ceramics, sound | 400 x 400cm | 2024

text (de)

Das Anthropozän ist vorbei, der Mensch endgültig Geschichte.
Einzig als Fossilien und Ruinen unter metertiefen
Erdschichten für ewig vergraben.
Der Planet erholte sich,
die Erdkruste verschob sich,
neue Ökosysteme formten sich.
Alte Akteure verloren gegangen,
neue Akteure erhoben sich.

Vor über 332 Millionen Jahren während des späten Paläozoikums lebten die Arthropleura, die größten Gliederfüßer der Erdgeschichte mit einer Länge von ca. 2,6 m im prähistorischen Mitteleuropa. Sie lebten während einer Zeit, in der der Sauerstoffgehalt in der Luft mit 35% einen planetaren Höhepunkt erreicht hat, welcher zu ihrem Riesenwuchs beisteuerte. Sie erlebten, wie sich die Landmassen wandelten mit dem Zusammenschluss der Großkontinente Laurussia und Gondwana zum Superkontinent Pangaea. Und sie erlebten das erste pflanzliche Massenaussterben des Planeten, auch bezeichnet als Carboniferous Rainforest collapse. Ein Zusammenbruch der Feucht- und Sumpfgebiete führte zu einer drastischen Dezimierung der Biodiversität der Erde und letztlich auch zum Ende der Arthropleura.

Aus dem vermutlich eher harmlosen Riesen-Gliederfüßer spalteten sich die zwei Nachkommen ab, die wir als Hundertfüßer und Tausendfüßer kategorisieren. Jagttiere und Pflanzenfresser, deren Rollen in ihren Ökosystemen von Schädlingsbekämpfung bishin zu Humusbildern reichen, die totes Pflanzenmaterial aufarbeiten und dadurch die Fruchtbarkeit der Erde erhalten. So wie ihre Vorfahren, die Arthropleura in der Zeitgeschichte der Erde verstarben, so erheben sich nun die Nachfahren dieser Gliederfüßer aus der Erde in neuem Leben. Sie wirken melancholisch, schwelgen in der Vergangenheit, reden über Neuanfänge und den Tod. Drehen sich im nicht enden wollenden Kreislauf grundsätzlicher Exitenzphilosophien und konfrontieren sich jedes mal aufs Neue mit den selben Ungewissheiten, auf die auch der Mensch seinerzeit keine Antworten finden konnte.

text (en)